Whale Watching - aber richtig!Gemeinsame Presseerklärung des M.E.E.R. e.V. (Berlin), der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (München) und der Deutschen Umwelthilfe (Radolfzell)
Berlin, 03. Juni 2003 - Walfang ist derzeit wieder in aller Munde, denn die Internationale Walfang-Kommission (IWC) tagt diesen Monat in der Bundeshauptstadt. Doch inzwischen ist es längst nicht mehr nur die direkte Bejagung, die die Wale bedroht.
Neben Umweltgiften und Fischerei wird vor allem die starke Ausbreitung des Whale-Watching-Tourismus in aller Welt zunehmend ein Problem für die Meeressäuger...
Die vollständige Pressemitteilung finden sie unter dem Punkt Publikationen
Tagung der Internationalen Walfang-Kommission (IWC)Berlin, Juni 2003 - Walfang ist derzeit wieder in aller Munde, denn die Internationale Walfang-Kommission (IWC) tagte in der Bundeshauptstadt.
Sie können jetzt bei unseren wissenschaftlichen Veröffentlichungen (siehe Rubrik "Forschung") einen Abstract, d.h. eine Zusammenfassung der jeweiligen Publikation lesen.
Auch die Satzung des Vereins können Sie nun einsehen. Sie finden sie über die Rubrik Verein.
Weitere Publikationen finden Sie in der Navigation unter dem Punkt Publikation & Presse Fütterung durch unwissende Touristen gefährdet Delfine vor TeneriffaGemeinsame Pressemitteilung des M.E.E.R. e.V. (Berlin), der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (München) und der Deutschen Umwelthilfe (Radolfzell)
Berlin, Teneriffa, 17.12.03. Soeben beginnt die Hochsaison auf Teneriffa (Kanarische Inseln), einem der beliebtesten Reiseziel der Deutschen zur Weihnachtszeit. Besonders beliebt ist hier die Beobachtung wildlebender Wale und Delfine. Wie in jedem Jahr, werden auch in diesen Winterferien zig Tausende Touristen an den begehrten Whale Watching-Fahrten teilnehmen. Der entstehende Trubel mit bis zu 30 Beobachtungsbooten allein im Südwesten der Insel, so Wissenschaftler und Umweltschützer, führt indes zu Stress auf Seiten der Meeressäuger. Nun gesellt sich aber noch ein weiteres Problem hinzu: die Handfütterung von wilden Delfinen durch unwissende Touristen.
Denn seit einiger Zeit haben die Kanarischen Fischer die Fischzucht für sich entdeckt. Immer öfter werden Aufzuchtskäfige im Meer installiert, teilweise in unmittelbarer Nähe der Tourismushochburgen. So auch vor Los Christianos im Südwesten Teneriffas, gleichzeitig ein Zentrum des Walbeobachtungstourismus. In den küstennahen Gewässern lebt auch der Große Tümmler, eine charismatische Delfinart. Die Delfine fanden bald heraus, dass es rund um die Fischfarmen "billigen" Fisch zu ergattern gibt, zumal die Fischer damit begannen, aktiv Fische zu verteilen. Dieses Verhalten ist inzwischen auf die Touristen übergesprungen, die sich mittlerweile immer öfter auf eigene Faust und mit eigens mitgebrachtem Fisch den zahm gewordenen Delfinen nähern. Es wurde sogar schon von "Wettrennen" zwischen Jetskis und Delfinen berichtet.
Umweltschützer schlagen nun Alarm: der gemeinnützige Verein M.E.E.R. (Berlin) macht darauf aufmerksam, dass diese Fütterung höchst problematisch ist und eine ernste Gefahr darstellt – und zwar für Tier und Mensch. Fabian Ritter, Biologe des M.E.E.R. e.V., betont: "Die Fütterung von wilden Tieren birgt stets die Gefahr, dass eine Abhängigkeit von der neuen Futterquelle entsteht. Delfine verhalten sich dabei durchaus opportunistisch, vor Teneriffa lassen sie sich inzwischen sogar streicheln. Dies stellt eine ernstzunehmende Gefahr für die Integrität der natürlichen Populationen dar". Und nicht nur dies:
durch den engen Kontakt zu solch kraftvollen Tieren (Große Tümmler können mehrere Hundert Kilo schwer werden) bringen sich die Touristen selbst in Gefahr, von den Tieren verletzt zu werden. Beispielsweise hat eine Studie der Universität von La Laguna (Teneriffa) ergeben, dass die gefütterten Delfine zu verstärkt aggressivem Verhalten neigen.
"Kein Wunder, denn zwischen den Delfinen entsteht eine Konkurrenz um den angebotenen Fisch. An anderen Orten hat man auch schon aggressive Übergriffe auf Touristen dokumentiert" so Ritter. Da der Kontakt mit wildlebenden Walen und Delphinen auf den Kanarischen Inseln per Gesetz geregelt ist und u.a. die Fütterung verbietet, machen sich die Beteiligten zusätzlich strafbar.
Die Kanarische Umweltbehörde ist informiert und hat bereits Kontrollmaßnahmen eingerichtet. Jedoch bleiben diese nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. "Jetzt gehen wir den Weg der Aufklärung bei den Reisenden, um die Bemühungen der örtlichen Behörden zu unterstützen. Wir haben dazu große Touristik-Unternehmen aufgefordert, ihre Kunden auf das Problem aufmerksam zu machen", so der Biologe des M.E.E.R. e.V. weiter. Denn wenn die Touristen schon im Heimatland von dem Problem in Kenntnis gesetzt werden, kann dem Problem von der Verbraucherseite her vorbeugend begegnet werden. So wird dafür Sorge getragen, dass die vermeintliche Tierliebe sich nicht ins Gegenteil umkehrt und es zu Unglücksfällen kommt. |